Scalite Fischschuppenmaterial für die Möbelindustrie

Megatrends in der Möbelindustrie

EFIC Furniture Day · Brüssel

19. Mai 2022, 10:00

Die großen Transformationsprozesse in der Möbelindustrie finden zu Beginn der 20er Jahre des 21. Jahrhunderts in einem Spannungsfeld zwischen Digitalisierung und Nachhaltigkeit statt. Hatte der Ausbau digitaler Strategien im Möbelbereich bis vor einigen Jahren noch nicht eine solch hohe Priorität wie heute, ändert sich durch die Coronapandemie gerade das Kundenverhalten deutlich.

Möbelindustrie im Wandel

Während der stationäre Handel aufgrund der pandemiebedingten Maßnahmen Einbußen erlebte oder im besten Fall stagnierte, konnte der Online-Möbelhandel ausgebaut werden. Mit jährlichen Steigerungsraten von 7-8 % wird sich der Online-Umsatz mit Möbeln bezogen auf das Jahr 2020 bis 2025 verdoppelt haben.

Dies geht einher mit einer stärkeren Verzahnung des stationären und virtuellen Verkaufserlebnisses. Während sich die Onlinepräsenz eines Möbelhändlers zu Plattformen für die Informationsbeschaffung, die Produktindividualisierung und virtuellen Planung mit digitale Instrumenten wie Augmented Reality entwickeln wird, wandelt sich der stationäre Verkaufsraum in die Richtung eines Showrooms mit Eventcharakter.

Der Kunde kann dort Haptik und Materialität eines Möbels mitsamt des räumlichen Designgefühls erleben. Unter Einsatz interaktiver Terminals, OLED-Bildschirmen und Tablets begegnet ihm das Verkaufspersonal als Ideengeber und nicht mehr in der klassischen Rolle eines Verkäufers.

Sekundäre Materialkreisläufe für die Möbelindustrie

Der Krieg in der Ukraine führt uns die Bedeutung einer andere notwendige Transformation deutlich vor Augen: Die Nachhaltigkeit wird zum alles entscheidenden Kriterium für die Zukunftsfähigkeit des Europäischen Wirtschaftsraums!

Als Reaktion auf die politischen und wirtschaftlichen Verwerfungen werden die Staaten der Europäischen Union den Ausbau hin zu einer funktionierenden Kreislaufwirtschaft unter Nutzung regenerativer Energien deutlich beschleunigen. Insbesondere die Möbelindustrie wurde und wird von unterbrochenen Lieferketten stark beeinflusst, was es gilt für die Zukunft zu vermeiden.

Nachhaltige Produktlösungen auf der Basis kreislauffähiger Materialien werden an Relevanz gewinnen, deren Design eine reduzierte Komplexität und Materialvielfalt aufweisen wird. Dabei gehen Experten von einem Ausbau der Position der europäischen Holzwirtschaft als Werkstofflieferant aus. Denn als Volumenmaterial ist Holz aus der Möbelindustrie nicht wegzudenken.

Zur gleichen Zeit erhält der Rohstoff Holz mit seinen Nebenprodukten wie die in seiner Struktur enthaltenen Lignine und Zellulose als Grundlage für Materialinnovationen auch in anderen Industrien wie der Textil- und Verpackungsbereich bzw. der Bau- und der Chemieindustrie an Bedeutung.

Als Folge wird es zu einer Verknappung und Verteuerung von Holz kommen, die bereits während der Pandemie eingesetzte. Derzeit werden auf europäischer Ebene Strategien erarbeitet, um den Druck auf die Lagerbestände von Holz zu vermindern und die Verfügbarkeit zu sichern.

Neben diesen Maßnahmen sind aber auch weitere Strategien erforderlich, um den Bedarf an biobasierten Rohstoffquellen zu decken. Neue Kreisläufe für bislang wenig bzw. ungenutzte Sekundärwertstoffe gewinnen in diesem Zusammenhang an Relevanz.

Ob Fischschuppen, Kaffeesatz, Orangenschalen oder Weintrester: Hochinteressante Innovationen im biologischen Kreislauf machen Materialentwicklungen und Unternehmensgründungen möglich, die die Materialeffizienz in bestimmten Werkstoffbereichen enorm steigern wird.

Mit großer Bedeutung für die Möbelindustrie fallen auch völlig neue Herstellungsmethoden auf. Mechanismen der Biofabrikation lassen beispielsweise vegane Lederalternativen, akustisch wirksame Oberflächen und biobasierte Schaumstoffe entstehen. Die Grundlage bieten biotechnologisch erzeugte In Vitro-Kulturen, das Wachstum von Pilzmycel, enzymatische Behandlungsmethoden oder biobasierte Reagenzien.

Mit ihnen lassen sich nicht nur feuerfeste Materialoberflächen ohne den Einsatz von Chemikalien oder Kunststoffen umsetzen, sondern es können auch die für tropische Holzarten typischen Farbigkeiten und Witterungsqualitäten auf europäische Holzarten übertragen werden.

In seiner KeyNote wird Hon.-Prof. Dr. Sascha Peters anlässlich des EFIC Furniture Days (EFIC – European Furniture Industries Confederation) am 19. Mai 2022 in Brüssel die wesentlichen für die Möbelindustrie relevanten aktuellen und zukünftigen Megatrends im Kontext des European Green Deals und der Digitalisierungsstrategie Industrie 4.0 darstellen und einige hochspannende Innovationen präsentieren.

Programm und Anmeldung unter: www.efic.eu/furnitureday2022

Bild: Plattenmaterial aus Fischschuppen (Quelle: Scalite)