DeInking Board - Plattenmaterial aus Restschlamm der Papierindustrie

Plattenmaterial aus Restschlamm der Papierindustrie

Ungewöhnliches Recycling industrieller Abfälle

12. September 2022

Die alten Ägypter bezeichneten ihre Heimat als „Black Land – Schwarzes Land“ und erkannten den fruchtbaren Schlamm der jährlichen Nilflut als Lebensgrundlage an. Im Zusammenhang mit einer Ausstellung im Neuen Museum in Berlin haben die Designerin Inga Aleknaviciute und das Unternehmen Zelfo Technology ein Plattenmaterial auf Basis des Restschlamms der Papierindustrie entwickelt.

Deinking-Reststoffe als Grundlage für tiefschwarzes Plattenmaterial

Der „Restschlamm“, der in großen Mengen bei der Papierproduktion anfällt, besteht vornehmlich aus kurzen Zellulosefaserrn, Mineralien und in geringen Mengen aus Pigmenten und Polymeren. Bereits 2021 haben Zelfo und Aleknaviciute eine Rezeptur gefunden, mit der sich eine erste Reihe dünner Platten aus dem Schlamm herstellen ließ.

Diese Platten wurden erstmals im Rahmen der BIORAMA-Ausstellung „Matter to Matter“ im Jahr 2021 vorgestellt und stießen auf großes Interesse in Fachkreisen. Als Lieferant des Reststoffs diente fortan die Leipa Paper GmbH aus Brandenburg.

In der weiteren Kooperation konnten durch Optimierung der Materialverformung, Variierung unterschiedlicher Parameter der Aushärtung und einer zielgerichteten Fasermanipulation Plattenmaterialien erzeugt werden, die als besondere handwerkliche Bauwerkstoffe mit herausragender Struktur und Dichte wahrgenommen wurden.

Im neu gegründeten „Reallabor“, einem Zentrum für biobasierte Innovationen, das sich in unmittelbarer Nähe der Produktionsstätte von Leipa Paper in Schwedt/Oder befindet, bereitet Inga Aleknaviciute nun die Marktreife des Materials vor und entwickelt die unterschiedlichen Rezepturen hin zu marktfähigen Produkten.

Zu den unmittelbaren Entwicklungsprojekten gehören weitere Plattenprodukte für den Innenausbau sowie 3D-Druckprojekte in verschiedenen Größenordnungen. Erste Materialien werden bereits getestet, greifbare Ergebnisse sind Ende 2022/Anfang 2023 zu erwarten. Ein Zwischenstand zu den Entwicklungen ist im Rahmen der Ausstellung „Materials4Future“ anlässlich der Orgatec 2022 zu sehen.

www.zelfo-technology.com
www.ingaaleknaviciute.com
www.leipa.com

Bildquelle: Inga Aleknaviciute