
Polyethylen fressende Larven der Wachsmotte
Spanische Wissenschaftlerin entdeckt Plastik zersetzenden Organismus
29. März 2017
Motten sind im Kleiderschrank gefürchtet, denn sie können sich durch Stoffe fressen und lieb gewordene Textilien in wenigen Tagen unbenutzbar machen. Während Hausmotten vor allem im Eigenheim unerwünscht sind, schrecken Imker vor der Großen Wachsmotte zurück. Denn diese legt ihre Eier in Bienenwaben ab. Die geschlüpften Larven ernähren sich dann anschließend nicht nur von den Puppenhäuten der Honigbienen sondern machen auch vor dem Wachs der Wabenstruktur keinen Halt. Diese Vorliebe ist nun der Grund für eine wissenschaftliche Sensation.
Larven der Wachsmotten zersetzen 92 mg Kunststoffmasse
Denn die spanische Wissenschaftlerin Federica Bertocchini entdeckte beim Öffnen ihrer Bienenstöcke, dass eine dort vergessene Plastiktüte eine Vielzahl von Löchern aufwies. Die Parasiten hatten sich in wenigen Tagen durch eine Tragetasche aus Polyethylen (PE) gefressen und den Kunststoff dabei zersetzt.
Mit Blick auf das Umweltproblem mit der schier riesigen Menge an Plastikmüll, untersuchte die Wissenschaftlerin am Institut für Biomedizin und Biotechnologie der Universidad de Cantabria in Santander mit Kollegen der University of Cambridge in England die Geschwindigkeit, mit der Larven in der Lage sind, konventionelle Polymere abzubauen.
Die Ergebnisse der Experimente waren erstaunlich. Denn lediglich 100 Larven konnten bereits in 40 min erste Löcher in einen Plastikbeutel fressen. Dabei war eine einzige Larve im Schnitt für 2,2 Löcher pro Stunde verantwortlich. In 12 Stunden kamen die Tiere auf stattliche 92 mg zersetzter Kunststoffmasse. Ein auf die Polyethylenoberfläche aufgetragenes Homogenisat brachte die Larven sogar dazu, in einer Stunde pro Quadratzentimeter etwa 23 mg Kunststoff abzubauen. Im Vergleich zu einem Experiment mit Bakterien, wo nur rund 0,13 mg pro Tag zersetzt wurde, ein erstaunlicher Wert.
Die Forscher prüfen nun, ob sich aus dem Organismus der Larve ein für den Zersetzungsprozess verantwortliches Enzym isolieren lässt. Mit diesem ließe sich ein biotechnisches Verfahren zur Beseitigung von Polyethylen ableiten. PE-Tragetaschen sind biologisch nicht abbaubar. Weltweit werden jährlich etwa eine Billion Tüten benutzt.
Bildquelle: Federica Bertocchini
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