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Strom aus Meersalz

Energieproduktion per Osmose

31/2012

Jüngst hat die Bundesregierung als Zielsetzung herausgegeben, den Anteil regenerativer Stromerzeugung bis 2030 auf 50 % zu bringen. Der Hessische Wirtschaftsminister spricht gar schon davon, bis 2050 vollständig auf fossile Energieträger verzichten zu wollen. Wind, Sonne, Wasser: So lauten die Hoffnungsträger der neuen Energiepolitik, die immer mehr an Fahrt gewinnt. Denn durch den Ausstieg aus der Atomenergie stehen vor allem die Deutschen unter Zugzwang.

 

Strom aus dem Salzgehalt des Meeres zu gewinnen, ist eine wenig diskutierte Methode zur Energiegewinnung. Bislang befindet sich weltweit lediglich ein Osmosekraftwerk im Testbetrieb, im norwegischen Tofte. Das Kraftwerksprinzip verwendet die Salzgehaltunterschiede zwischen Meer- und Süßwasser zur Stromproduktion. Wasser mit unterschiedlichem Salzgehalt wird durch eine Membran voneinander getrennt. Aufgrund des Konzentrationsunterschieds wandern Wassermoleküle durch die Membran, es kommt zu einer Druckerhöhung in dem Behältnis des Salzwassers, welcher zum Antrieb eines Generators genutzt werden kann.

 

Denkbar sind Osmosekraftwerke überall dort, wo Flüsse in das Meer münden, z.B. an der Elbemündung. Sie könnten theoretisch 70 Prozent des weltweiten Strombedarfs decken. Bislang ist das Kraftwerksprinzip jedoch noch nicht wettbewerbsfähig. In der Testanlage im norwegischen Tofte werden pro Quadratmeter Membran rund drei Watt Strom erzeugt. Durch Weiterentwicklungen beim Aufbau der Membran und des zur Anwendung kommenden Materials soll die Leistung weiter gesteigert werden. Zum Beispiel können zur Leistungssteigerung die Membrane gerollt werden. Wissenschaftler denken zudem an der Verwendung von Materialien aus Meerwasserentsalzungsanlagen, um die Leistung weiter zu verbessern. 

 

Auch die Suche nach den besten Standorten für Osmosekraftwerke hat bereits begonnen. Nach Ansicht der Experten würden sich neben Flussmündungen auch Salzseen hervorragend eignen. Auch für das Tote Meer liegen bereits Pläne vor. So soll Wasser vom Roten Meer eingeleitet werden, um das Absinken der Wasseroberfläche durch die zunehmende Nutzung des Wasser des Jordans für die Landwirtschaft zu verhindern. Nach den Berechnungen der Universität Heidelberg würde ein Osmosekraftwerk am Toten Meer bei einer mittleren Salzkonzentration von 28 % eine Leistung von 4,3 Gigawatt erreichen. Das Ganze dann ohne den Ausstoß von Kohlendioxid!

 

 

Bild: Stromproduktion per Osmose in einer Testanlage im norwegischen Tofte (Quelle: Reuters)

 


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