Mycodesk Bernd Goertz From Nature to Nature Mycelium low-impact Furniture Myzel-Materialien der Zukunft

Myzel-Materialien der Zukunft

Heike Edelmann spricht für das Magazin "Architektur und Wohnen" mit Prof. Dr. Sascha Peters

26. Juni 2026

Heike Edelmann: Was ist der aktuelle Stand der Forschung in Bezug auf myzelbasierte Materialien (für Möbel)?

Sascha Peters: Myzelbasierte Materialien spielen für Design und Interior eine zunehmend größer werdende Rolle. Vor allem selbstproduzierende Designer schätzen die Möglichkeit, das Wachstum gestalteter Elemente selbsttätig zu kontrollieren und kunststofffreie Entwürfe in Kombination verschiedener Biomaterialien umzusetzen.

Im Möbelbereich sind vor allem die Arbeiten von Eric Klarenbeek & Maartje Dros aus Amsterdam und Bernd Görtz aus Hamburg bekannt geworden. Die Potenziale der Materialien insbesondere mit Blick auf die Themen Nachhaltigkeit und Zirkularität sind riesig, jedoch müssen die bisherigen Lösungen in ihren mechanischen Qualitäten weiter optimiert werden.

Wie beständig sind Möbel oder Wandpaneele aus Myzel-Strukturen, wenn sie Sonnenstrahlen, Kälte und Feuchtigkeit ausgesetzt werden?

Sascha Peters: Je nach verwendetem Pilz, der genutzten Nährstoffe und der Ausgestaltung des Wachstumsprozesses lässt sich das Eigenschaftsprofil variieren. Für Wandpaneele, Akustikabsorber und Beistelltische im Interiordesign sind die aktuell erreichbaren Qualitäten ausreichend.

Unter extremen Witterungseinflüssen im Außenbereich sind derzeit andere Materialien und Werkstoffe geeigneter. Das ändert sich aber gerade, da sehr große Anstrengungen unternommen werden, Myzelstrukturen für weitere Anwendungsbereiche zu qualifizieren.

Können myzelbasierte Materialien in Zukunft zu einer echten Alternative für die Architekturbranche werden – etwa auch als Baustoffe?

Vor allem im Baustoffbereich und in der Architektur werden die größten Anwendungspotenziale für myzelbasierter Materialien erwartet. Die ersten Start-Up Unternehmen versuchen mit entsprechenden Lösungen, den Markt für emissionsreduzierte Baustoffe zu erschließen.

Ein Beispiel ist visibuilt aus Kopenhagen, die myzelbasierte Pflastersteine und eine Bitumenalternative für Asphalt auf den Markt gebracht haben oder Mush Composites aus Thailand, die anlässlich der Milan Design Week, Pilzmyzelkacheln als Wandbelag und für Sitzmöbel vorgestellt haben.

Bild: Mycodesk (Design: Bernd Görtz)

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