Moya Power - Flatterndes Minikraftwerk
Flatterndes Minikraftwerk
Design Report
1-2016
Verlag
Rat für Formgebung Medien (Frankfurt)

Unter dem Begriff Energy Harvesting sammelt sich eine Vielzahl an Forschungsprojekten, die versucht, Luftbewegungen, Druck oder Abwärme als alternative Energiequellen nutzbar zu machen. Ihr Potenzial entfalten diese Entwicklungen dort, wo kleine Energiemengen ausreichen und die Unabhängigkeit vom Stromnetz sinnvoll oder umgänglich ist.
Kunststofffransen aus Fluorpolymer
Die Idee zu einer dezentralen, von großen Infrastrukturen und Anbietern unabhängigen Energieversorgung setzt eine Menge kreativer Energie frei. Eines der wohl bekanntesten Beispiele ist der Sustainable Dance Club in Rotterdam, dessen piezoelektrische Tanzfläche den Druck, der beim Tanzen auf den Boden ausgeübt wird, in elektrische Energie umwandelt und so die Beleuchtung und die Musikanlage mit Strom versorgt. Je mehr Menschen tanzen desto heller wird die Beleuchtung und desto lauter wird die Musik. Ähnlich bekannt ist die „Kinetic Road Ramp“ von Peter Hughes. Der Engländer entwickelte eine elektrokinetische Metallplatte, die in Straßen eingelassen werden kann und darüber fahrende Autos nutzt, um Strom zu erzeugen.
Unter dem Namen „Moya Power“ hat die Südafrikanerin Charlotte Slingsby am Royal College of Art in London nun ein semi-transparentes und extrem leichtes Textil vorgestellt, das leichte Luftbewegungen in elektrische Energie überführen kann. Moya, was in der Bantu-Sprache Xhosa so viel wie „Wind“ bedeutet, besteht aus etwa 15 cm langen Kunststofffransen aus dem Fluorkunststoff PVDF, der nach entsprechender Polarisierung im Vergleich zu anderen Polymeren einen starken piezoelektrischen Effekt aufweist. Werden die Fransen durch Wind bewegt, wird die entstandende Energie über einen Chip in Strom gewandelt und kann in den bestehenden Stromkreislauf eingespeist werden.
Erste Tests im Windkanal ergaben, dass „Moya“ rund zehn Prozent der Energiemenge im Vergleich zu konventionellen Solarpaneelen generiert. Aus diesem Grund sieht die Designerin ihr „Wind Harvesting Sheet“ als ergänzende Technologie für noch ungenutzte Flächen wie U-Bahnschächte. In klassischen U-Bahnsystemen, wie wir sie aus New York oder Berlin kennen, sorgen die Züge quasi im Vorbeifahren für eine stetige Be- und Entlüftung. Bis zu 40 km/h Windgeschwindigkeit entstehen bei laufendem Betrieb. Auch nach dem Betriebsschluss liegt die gemessene Durchschnittswindgeschwindigkeit bei rund ca. 4 km/h. Weitere Anwendungsszenarien an städtischen Frischluftschneisen wie große Straßen oder Flüsse sind denkbar.
Derzeit ist Slingsby auf der Suche nach Investoren, was sich jedoch als schwierig darstellt. Zu hohe Kosten und eine Entwicklungszeit von bis zu 10 Jahren schrecken viele potentielle Geldgeber ab. Zudem haben Wissenschaftler den ökologischen Nutzen der Entwicklung angezweifelt, da die Anschlusskosten des Textils an das bestehende Stromnetz hoch ausfallen dürften. Bedenkt man jedoch die zunehmende Entwicklung immer energieärmerer Kleingeräte ist Moya nicht nur für Sensoren sondern für ihren Betrieb bestens geeignet.
Bild: Moya Power (Design: Charlotte Slingsby, London)
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