In Zukunft ohne Öl

Nachhaltige Werkstoffe und ihre Potenziale

form 225
März/April 2009


Verlag

Birkhäuser (Basel)

Seit natürliche Ressourcen wie Öl immer knapper werden und die Preise erheblich gestiegen sind, wächst die Nachfrage nach alternativen Materialien. Insbesondere Biokunststoffe drängen derzeit massiv in den Markt. Andererseits lassen sich Materialien auch dann einsparen, wenn man sie in geschlossenen Kreisläufen verwendet. Ein Überblick über nachhaltige Werkstoffe.

Die nachhaltige Verwendung von Werkstoffen war kürzlich das Kernthema des ersten Fachkongresses nutec in Frankfurt, wo über die Voraussetzungen für bedenkenlosen Konsum und natürliche Entsorgung diskutiert wurde. “Cradle to Cradle” (von der Wiege bis zur Wiege) gilt als einer der Lösungsansätze für mehr Nachhaltigkeit und steht für einen Paradigmenwechel: Idealerweise setzen sich Produkte aus Bestandteilen zusammen, die geeignet sind, in biologischen und technischen Kreisläufen zu zirkulieren.

Damit sich ein technischer Kreislauf ergibt, muss man die Anforderungen an ein Produkt beschreiben, um es nach dem Gebrauch auf einfache Weise in seine Bestandteile zerlegen und den natürlichen Materialkreisläufen zuführen zu können. Dabei ist darauf zu achten, dass bei Produktion, Montage und Demontage keine chemischen Hilfsmittel und umweltschädlichen Zusatzstoffe Verwendung finden. Erste erfolgreiche Produktbeispiele sind Bürostühle von Steelcase, die sich mit wenigen Handgriffen demontieren lassen, oder Holzarchitektur von Thoma, die vollständig aus Holz besteht – weder Leime noch chemische Substanzen kommen zum Einsatz, Fügeverbindungen werden mit Holzdübeln realisiert.

Der biologische Nährstoffkreislauf beschreibt die Erzeugung, Verwendung, Entsorgung und Wiedergewinnung eines Materials auf biologischem Weg. „Abfall ist Nahrung“ lautet der eingängige Leitgedanke, den man insbesondere auf Kunststoffe anwenden kann: Neue Polymere sind gefragt, die nicht auf Erdöl basieren, sondern aus nachwachsenden Rohstoffen hergestellt werden. Folien aus Kartoffelstärke (Bioplast), Verpackungen aus Maisstärke (NaturWorks), Dämmplatten aus Zellulose (Isoflex), Schaumstoffe aus Rizinusöl (Elastogran) oder auf Algenbasis (VPZ) sind die anschaulichsten Beispiele für eine neue Art des Umgangs mit Werkstoffen und die steigende Verantwortung der westlichen Industrienationen für Umweltfragen.

Das Thema ist mittlerweile auch für die Chemieriesen interessant, denn die prognostizierten Zuwachsraten von Biopolymeren sind gigantisch. Nahezu jede Woche bringen sie neue, nachhaltigere Werkstoffe auf den Markt. Und auch die Hersteller technischer Kunststoffhalbzeuge – wie etwa Ecogehr – haben in jüngster Zeit Produktlinien auf Basis von Biokunststoffen etabliert.

www.steelcase.com
www.thoma.at
www.bioplast.com
www.natureworksllc.com
www.elastogran.de
www.vpz.at
www.isoflex.se
www.ecogehr.de

Bildquelle: Natureworks