Das zweite Leben des Gummistiefels
Werkstoffe aus Recyclingmaterial
dds – Das Magazin für Möbel und Ausbau
Oktober 2011
Verlag
Konradin Medien (Stuttgart)
Wir bekommen in den nächsten Jahren ein Rohstoffproblem. Dies ist nicht erst seit der Preisexplosion bei den Kraftstoffen und den Kursschwankungen als Reaktion auf Chinas Reduzierung der Exportquote für seltene Erden bekannt. Die Erdölproduktion wird sich bis 2030 nahezu halbiert haben und bei der Beschaffung wichtiger Metalle sind Probleme zu erwarten. Als Folge wird dem Recycling von Werkstoffen eine immer stärker werdende Bedeutung beigemessen. Unter dem Begriff „Urban Mining“ werden dicht besiedelte Städte mittlerweile als Rohstoffminen verstanden. Diese besser auszunutzen und wertvolle Reststoffe in neue Materialien zu überführen, gilt es in Zukunft zu verbessern. Das Recycling von Glas, Papier, Kunststoffen und Metallen wird seit den 70er Jahren bereits erfolgreich betrieben. In den letzten Jahren sind einige Materialangebote von Herstellern auf den Markt gekommen, die auf Recyclingprozessen basieren. Dies spart nicht nur Werkstoffressourcen, sondern reduziert auch signifikant den Energiebedarf für die Materialproduktion.
BioGlass
Recyclingglas für Innenarchitekten: www.coveringsetc.com
Vollständig aus recyceltem Glas besteht das Plattenmaterial BioGlass, das sich insbesondere für den Innenausbau, für Küchenarbeitsflächen, in Fußböden oder als Möbeloberflächen eignet. Bei der Herstellung wird auf den Zusatz von Additiven und Farbmitteln verzichtet, so dass BioGlass vollständig wiederverwertet werden. Bei der Produktion wird auf die Reduzierung des Energiebedarfs geachtet.
Alusion
Aluminiumschaum mit optischem Effekt: www.alusion.com
Die Verfahren zum Schäumen von Aluminium wurden in den letzten 10 Jahren serientauglich gemacht. Alusion ist ein hochleichtes Plattenmaterial mit offenzelliger Schaumstruktur, das nur zu einem Zehntel das Gewicht des Vollmaterials aufweist. Bei der Herstellung wird nahezu vollständig recyceltes Aluminium verwendet. Große Poren machen das Material durchlässig für Licht und erzeugen interessante Raumatmosphären.
Smile Plastics
Polymerplatten aus Kunststoffschrott: www.smile-plastics.co.uk
Neben Metallen und Gläsern bieten vor allem auch thermoplastische Kunststoffe die Möglichkeit der Mehrfachverwertung. Bereits 1994 hat das englische Unternehmen Smile Plastics begonnen, polymere Werkstoffplatten aus Kunststoffschrott herzustellen. Die Altmaterialien aus CD, Gummistiefeln oder Handyschalen werden zerkleinert und in Formpressen unter Wärmezufuhr für Anwendungen im Möbel- und Interiorbereich verpresst.
PaperCrete
Beton mit Altpapier: www.papercrete.com
Normalerweise besteht Beton aus Zement, Ton und Sand. In Papercrete ist zu 50% auch noch Altpapier enthalten, was den Bauwerkstoff zu einem nachhaltigen Material mit einigen herausragenden Eigenschaften macht. Denn durch die eingeschlossen Luftporen weist Papercrete eine vorteilhafte Wärmeisolationswirkung auf. Er ist zudem leicht und elastisch, was ihn für Gebäude in erdbebengefährdeten Gebieten geeignet macht.
Porocom
Baumaterial mit Blähglaskugeln: www.porocom.eu
Porocom basiert auf kugelförmigen Blähglaskugeln mit einer porösen Zellstruktur und einem eingeschlossenen Luftanteil von 30 %. Das Blähglas ist mit einer Pulverbeschichtung versehen, die sich bei 200 °C verflüssigt und zu einer festen Schicht abkühlt. Der kugelförmige Grundwerkstoff lässt sich daher äußerst flexibel zu den unterschiedlichen Geometrien zusammenführen.
Buzzispace
Interiordesign mit Recyclingtextilien: www.buzzispace.com
Die Verwendung von Verpackungsreststoffen bei der Herstellung von Fasermaterialien steht aktuell bei einigen Produzenten hoch im Kurs. So nutzt Buzzispace aus Belgien beispielsweise aus Altkunststoffen erzeugten Filz, um ihn für Raumteiler, Lampen oder Möbel einzusetzen. Ein klassisches textiles Material erhält eine neue Wertigkeit.
Bild: Buzzilamp aus Filz recycelter Kunststoffe (Quelle: Buzzispace)
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