
Textilien aus Pilzen
Chinesische Forschende stellen Kleid aus Myzel her
29. September 2026
Auf der Suche nach alternativen Herstellungsmethoden zu den konventionellen Verfahren auf der Basis synthetischer Kunststoffe, greift die Textilindustrie zunehmend mehr auf Methoden der Biotechnologie zurück. Ein ungewöhnliches Beispiel dafür ist ein Kleid, das nicht aus herkömmlichen Textilfasern besteht, sondern mithilfe von Pilzmyzel durch Forschenden am Shenzhen Institute of Advanced Technology (SIAT) erzeugt wurde.
Myzel ist fadenförmiges Geflecht eines Pilzes
Bereits seit längerem gilt Pilzmyzel als vielversprechende Alternative für synthetische Stoffe in der Verpackungs- und Textilindustrie, im Interior und Design und vielen anderen Bereichen. Myzel bezeichnet das fadenförmige Geflecht eines Pilzes. Es besteht aus zahlreichen mikroskopisch kleinen Strukturen, den sogenannten Hyphen. In der Natur durchzieht dieses Netzwerk beispielsweise den Waldboden und übernimmt eine zentrale Rolle beim Abbau von Biomasse.
Für die Materialforschung ist Myzel interessant, weil sich das Pilzgeflecht zu zusammenhängenden Strukturen verbinden lässt. Je nach Pilzart und Herstellungsverfahren können daraus Materialien mit unterschiedlichen Eigenschaften entstehen – etwa leichte, flexible oder schaumartige Werkstoffe.
Bei der Herstellung myzelbasierter Materialien wird das Pilzgeflecht in der Regel auf einem geeigneten organischen Substrat kultiviert. Das Myzel wächst dabei durch das Material und verbindet dessen Bestandteile miteinander. Anschließend kann das entstandene Material weiter verarbeitet, getrocknet und in eine gewünschte Form gebracht werden.
Forschende am Shenzhen Institute of Advanced Technology haben das Prinzip nun auf die Bekleidungsindustrie übertragen. Anstelle einen Stoff zunächst aus Baumwolle, Polyester oder anderen klassischen Fasern zu weben, wird ein biologisches Netzwerk als Ausgangsmaterial verwendet. Nach Trocknen entsteht eine spröde Struktur.
Dabei kultivierten sie Sporen des Pilzes Cordyceps militaris in einer Nährlösung und bildeten kleine Pellets aus. Diese wurden gefiltert und als Bausteine für das Kleid genutzt. Nach dem Trocknen entstanden spröde Strukturen, die mit Glycerol geschmeidiger gemacht wurden. Damit wurde ein Tuch erzeugt.
Die Farbstoffe wurden mithilfe von Bäckerhefen hergestellt und die Textilien farbig modifiziert. Das Kleid besteht aus mehreren textilen Lagen, wobei sich Rissen durch das Anwachsen frischen Pilzmyzels reparieren ließen.
Anders als Bekleidung aus synthetischen Stoffen, kann ein Kleid aus Pilzmyzel in den natürlichen Kreislauf zurückgeführt werden. Bei einem Test hat sich das Textil rückstandslos innerhalb von 41 Tagen im Bodengrund zersetzt. Auf diese Weise können die Nährstoffe als Ausgangspunkt für einen neuen Wachstumsprozess dienen.
Forschungsbericht: www.science.org
Pressebild: A programmable fungal platform for engineered living textiles (Quelle: Ke Li et al.)
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