Interzum Guangzhou Award 2026 Smart Revolution TiMOTION TEKarrc

Smart Revolution

Elly Li spricht mit Prof. Dr. Sascha Peters

3. März 2026

Elly Li: Welche neuen Trends in der Möbelproduktion und Materialanwendung haben Sie in den letzten Jahren besonders interessiert? Wie spiegeln sich diese Trends konkret in den Produkten oder Unternehmen wider, die für den diesjährigen interzum guangzhou Award nominiert sind?

Sascha Peters: Wir beobachten einen deutlichen Trend hin zu einfacheren und weniger komplexen Möbeldesigns, verbunden mit einem reduzierten Materialverbrauch. Effiziente Produktion und Nutzung sowie die Integration von Ressourcen in geschlossene Kreisläufe stehen im Vordergrund. Montagesysteme, die auch eine einfache Demontage ermöglichen, wurden bereits mehrfach für den Preis eingereicht, so auch in diesem Jahr.

Wie verstehen Sie das diesjährige Motto „Smart Revolution“ in der Möbelindustrie, basierend auf den prämierten Produkten?

Sascha Peters: Viele der prämierten Beiträge konzentrieren sich auf intelligente Lösungen zur Anpassung von Möbeln an den Nutzer. Dies gilt sowohl für höhenverstellbare Schreibtische als auch für Polstermöbel, die den Nutzer auf eine falsche Haltung hinweisen. Künstliche Intelligenz hält Einzug in die Möbelindustrie. Intelligente Systeme werden integriert, die beispielsweise Alarmfunktionen übernehmen, die Atmung im Schlaf überwachen oder nachts einen kühlenden Effekt auf den Körper ausüben.

Welche Materialien der diesjährigen Beiträge zum interzum guangzhou Award haben Sie besonders beeindruckt? Welche Rolle spielen solche Materialien Ihrer Meinung nach für die zukünftige Entwicklung der Möbelindustrie?

Angesichts des Trends zur Integration digitaler Technologien in Materialien und Oberflächen haben mich Lösungen besonders beeindruckt, bei denen beispielsweise intelligente Fasertechnologie in einer Matratze vor elektrostatischer Entladung schützt. Dies ist das genaue Gegenteil von intelligenter Technologie, die zu KI-gesteuerten digitalen Systemen führt und dem Nutzer einen erholsamen Schlaf ermöglicht.

Echte Kreislaufwirtschaft erfordert oft einen Wandel vom Produktverkauf hin zum Dienstleistungsangebot. Was sind Ihrer Ansicht nach die vielversprechendsten ersten Schritte für traditionelle Möbelhersteller, um solche zirkulären Geschäftsmodelle zu testen und zu integrieren, ohne ihre laufenden Abläufe zu stören?

Die Transformation hin zu einer Kreislaufwirtschaft hängt entscheidend davon ab, ob die Industrie Verantwortung für die von ihr genutzten Ressourcen übernimmt. Kreislaufwirtschaftsmodelle sind nur dann erfolgreich, wenn sie wirtschaftliche Vorteile generieren, die allen Unternehmen die Möglichkeit bieten, ihre Produkte zurückzunehmen, zu reparieren und/oder so zu gestalten, dass die Materialien am Ende ihres Lebenszyklus wiederverwendet werden können.

Als Jurymitglied wählen Sie nicht nur Preisträger aus, sondern senden auch ein Signal an die gesamte Branche. Welches konkrete, umsetzbare Signal oder welchen Handlungsaufruf möchten Sie sich neben der Auszeichnung von herausragenden Leistungen von den Ergebnissen dieser Auszeichnung für Hersteller, Designer und Marken weltweit erhoffen?

Ich denke, wir brauchen einen grundlegenden Wandel in unserer Wahrnehmung der Räume, in denen wir leben, essen und uns bewegen. Anstatt nach einer Umgebung zu streben, die in den letzten Jahren immer perfekter und makelloser geworden ist, brauchen wir eine, die Patina, Gebrauchsspuren und Unvollkommenheiten aufweist. Es ist in Ordnung, wenn Dinge raue Kanten, Dellen und Kratzer haben. Dies würde nicht nur die Prinzipien der Kreislaufwirtschaft in der Industrie fördern, sondern uns auch als Gesellschaft voranbringen.

 

 

Mit seiner Expertise als Material- und Innovationsexperte ist Prof. Dr. Sascha Peters regelmäßig Jurymitglied bei Design- und Ideenwettbewerben.

Eine Ausstellung mit ausgewählten Beiträgen und den Preisträgern wird auf der diesjährigen interzum guangzhou vom 28.-31. März 2026 zu sehen sein.

Bild: TEKarrc (Quelle: TiMOTION Technology)

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