
Material Matters
Sedus Lookbook N° 03
21. Januar 2026
Ob Holz, Metall, Kunststoff oder Textilien – Materialien prägen nicht nur die Ästhetik, Haptik und Funktionalität von Möbeln, sondern sind auch ein entscheidender Faktor für ihre ökologische Bilanz. In Zeiten des Klimawandels und knapper werdender Ressourcen stehen Designer, Hersteller und Entwickler vor der Herausforderung, Materialien neu zu denken: weg von linearen Prozessen, hin zu zirkulären Wertschöpfungsketten.
Dabei rückt die Frage in den Mittelpunkt, wie alternative Werkstoffe dazu beitragen können, nachhaltiger, ressourcenschonender und zugleich innovativer zu gestalten. Die Entwicklung neuer Werkstoffe ist längst nicht mehr nur ein technisches Thema, sondern ein kultureller Wandel – ein Umdenken, das Design, Wissenschaft und Industrie gleichermaßen betrifft. Von biobasierten und recycelten Rohstoffen über smarte Oberflächen bis hin zu biologisch abbaubaren Verbundstoffen:
Die Materiallandschaft wird vielfältiger, intelligenter und verantwortungs- voller. Möbel werden zunehmend zu Trägern dieser Innovationen – sie spiegeln wider, wie Forschung, Technologie und Design Hand in Hand gehen können, um Zukunftsfähigkeit und Ästhetik miteinander zu verbinden.
Als renommierter Experte und Gründer der Zukunftsagentur „Haute Innovation“ beschäftigt sich Prof. Dr. Sascha Peters seit vielen Jahren mit den Potenzialen zukunftsweisender Rohstoffe und Technologien. Im Interview spricht er über die Bedeutung alternativer Materialien für die Möbelindustrie, über biozirkuläre und smarte Werkstoffe – und darüber, wie nachhaltige Innovationen den Wandel in Design und Produktion vorantreiben. Dabei wird deutlich: Die Zukunft des Möbeldesigns ist nicht nur eine Frage der Form, sondern auch eine des Materials.
Annika Lacher: Mit deiner Agentur „Haute Innovation“ berätst du auch Unternehmen zu alternativen Materialien. Wie kann man sich die Zusammenarbeit vorstellen und was sind die wichtigsten Schritte auf dem Weg zur Einführung eines neuen Materials?
Sascha Peters: In aller Regel sind wir in den frühen Phasen einer Produktentwicklung für Unternehmen tätig und zeigen Möglichkeitsräume auf, wie die bislang üblichen Werkstoffe durch alternative Materialien ersetzt werden können. Die wichtigste Voraussetzung für eine erfolgreiche Einführung eines alternativen Materials ist eine ganzheitliche Betrachtung hinweg über den gesamten Lebenszyklus eines Produkts. Erst dann lassen sich diese Materialien vorteilhaft nutzen und selbst Kostenvorteile erschließen.
Wann gilt ein Material für dich als nachhaltig?
Ein Material ist für mich nachhaltig, wenn es auf Basis regenerativer Energien klimaneutral hergestellt wurde und entweder im technischen oder im biologischen Kreislauf vollständig zirkulieren kann. Das sind hohe Anforderungen, die bislang selten erfüllt werden. Daher ist noch ein weiter Weg zu gehen. Aber wir kommen dem Ziel näher.
Welche Materialien oder Technologien siehst du als besonders disruptiv für die Möbelindustrie in den nächsten Jahren?
Für die Möbelindustrie als disruptiv halte ich sämtliche kunststofffreien Plattenwerkstoffe, in denen ein landwirtschaftliches Sekundärmaterial oder Zellulosereststoffe genutzt werden und mit einem biozirkulären Bindemittel gebunden sind. Ein Beispiel ist das Cocoboard aus den Fasern der Hülsen von Kokosnüssen und Tanninen als Bindemittel vom Start-up Naturloop aus der Schweiz. Herausragend finde ich auch Papershell aus Schweden, bei dem lediglich mehrere Lagen Kraftpapier und Hemizellulose verpresst werden, um kunststofffreie Sitzschalen herzustellen.
Ob Forstabfälle, Bananenstaudenfasern oder Pilzmyzel – es gibt viele Beispiele für innovativen Materialeinsatz. Welches Material war für dich persönlich bisher die größte Überraschung, was seine Eignung als Werkstoff betrifft?
Das waren ganz klar die Pilze. Wer hätte gedacht, dass die sich auf so vielfältige Weise für technische Produkte eignen und zum Beispiel für die Herstellung von Batterien oder Lautsprecher nutzen lassen. Die Wachstumsprozesse des Pilzmyzels, das ist das Fadengeflecht im Boden, mit dem Pilze auf die Suche nach Nährstoffen gehen, werden derzeit auf vielfältige Weise genutzt, um kunststofffreie Interiorlösungen umzusetzen.
Mittlerweile sind Lederalternativen auf Basis von Pilzmyzel ebenso am Markt erschienen, wie Akustikabsorber aus Pilzen, Wandelemente in Kachelform oder Raumteiler und Trennwände mit integrierter Wärmedämmung aus Pilzmyzel.
Ein Material kann in einem Labor gut funktionieren – aber wie sieht der Transfer in die industrielle Serienfertigung aus? Was sind typische Hürden beim Skalieren, beim Werkzeugbau oder bei der Qualitätssicherung?
Das ist leider in vielen Fällen so, dass im Labormaßstab die Herstellung eines neuen Materials gelingt, die großtechnische Produktion aber Anpassungen an die ursprüngliche Entwicklung notwendig macht. Die Innovatoren und Unternehmensgründer gehen dann häufig Kompromisse ein, um eine marktwirtschaftliche Herstellung umzusetzen.
(…)
Das gesamte Gespräch ist im Sedus Lookbook N° 0 unter: www.sedus.com
Foto: Das Start-up „Ecoblaq“ aus Dänemark färbt Holz ohne Farbe, Kunststoff oder giftige Chemikalien. Bei ihrer Methode handelt es sich um eine kostengünstige, disruptive B2B-Holzfärbetechnologie für den Innen- und Außenbereich. (Quelle: Ecoblaq)
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