
Marmorholz
Schlauchpilz erzeugt gewellte Linien aus Melanin
13. Februar 2026
Marmorholz zeichnet sich durch ein Muster aus feinen schwarzen Linien aus, die auf einen Pilz zurück gehen. Was früher ein seltener Zufallsfund im Wald war, ist heute ein standardisiertes Herstellungsverfahren, das aus einer Zusammenarbeit der Schreinerei Koster AG Holzwelten und der Empa entstand.
Skalierbares Verfahren zur Herstellung von Marmorholz
Es begann mit ein paar gewellten schwarzen Linien, die Jakob Koster auf einem Stück Holz aus seiner Schreinerei entdeckte. Koster zeigte das Holzstück dem Empa-Forscher Francis Schwarze. Der Pilzexperte erkannte die Zeichnung sofort als Spur eines Schlauchpilzes. Dieser unscheinbare Pilz ist vor allem als schwer nachweisbarer Schädling an Laubbäumen bekannt. Seine Fähigkeit, das dunkle Pigment Melanin zu bilden, macht ihn aber seit jeher auch zu einem Holzveredler. «
„Früher hat man Baumstämme für mehrere Monate in den Wald gelegt und gehofft, dass sie vom richtigen Pilz besiedelt werden“, sagt Schwarze. Für Jakob Koster war das nicht gut genug. Was, fragte sich der Geschäftsmann, wenn wir das begehrte marmorierte Holz ganz gezielt herstellen könnten?
Aus der Idee wurde ein InnoSuisse-Forschungsprojekt. Gemeinsam forschten Koster AG Holzwelten und die Empa an einem standardisierten, skalierbaren Verfahren zur Herstellung von Marmorholz. Das große Engagement von beiden Seiten hat gefruchtet: Nun kommt das einmalige Produkt unter dem Namen „Myrai“ auf den Markt.
Bis zu zweieinhalb Meter lange Bretter werden in einer Vakuumkammer auf die korrekte Feuchtigkeit gebracht, sterilisiert und mit dem Pilz inokuliert. Danach verbringen sie mehrere Wochen in einer Klimakammer, während der Pilz seine Verzierungen ins Holz zeichnet. Hat der Pilz seine Arbeit getan, wird das Holz technisch getrocknet. Der Pilz stirbt dabei ab.
„Das Besondere an diesem Pilz ist, dass er nur die stark lignifizierten Bereiche der Zellwand nicht abbaut und das Holz somit eine hohe Biegesteifigkeit beibehält“, erklärt Schwarze. Das resultierende Marmorholz mit seinen tanzenden Linien eignet sich besonders für dekorative Anwendungen, beispielsweise für Möbel, Innenausbau, Musikinstrumente und sogar Schmuck.
Für die Herstellung von Marmorholz eignen sich zahlreiche Laubholzarten. Koster AG Holzwelten setzt stark auf einheimische Arten wie Ahorn, Buche, Esche, Linde und Pappel. Heute werden diese Holzarten in der Schweiz überwiegend verheizt. Für andere Anwendungen galten sie bisher als wenig attraktiv. Lokal produziertes Holz zu veredeln, ist nun eine nachhaltige Alternative zu exotischen Importhölzern.
Bildquelle: empa
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