
Eisen-Luft-Batterie in der Kommerzialisierung
Ore Energy sichert Finanzierung für die nächste Generation der Langzeitspeicherung
1. September 2026
Ore Energy hat in einer Series-A-Finanzierungsrunde 43 Millionen US-Dollar (rund 38 Millionen Euro) eingesammelt. Die Finanzierungsrunde wurde von Plural und HV angeführt und soll den Übergang der Technologie von erfolgreichen Pilotprojekten zur kommerziellen Skalierung beschleunigen. Damit beschleunigt das niederländisches Cleantech-Unternehmen die Kommerzialisierung seiner Eisen-Luft-Batterie und schafft die Voraussetzungen für mehrtägige Speicherung erneuerbarer Energie
Europäische Produktion und skalierbare Technologie für Langzeitspeicher
Ore Energy entwickelt Eisen-Luft-Batterien für die Speicherung erneuerbarer Energie über mehrere Tage. Die Technologie basiert auf einem einfachen Prinzip: Beim Entladen wird Eisen mithilfe von Sauerstoff aus der Luft oxidiert – es „rostet“. Beim Laden wird dieser Prozess umgekehrt und das Eisen regeneriert.
Als zentrale Materialien kommen Eisen, Wasser und Luft zum Einsatz. Damit setzt Ore Energy auf weltweit verfügbare und vergleichsweise kostengünstige Materialien und verzichtet auf kritische Rohstoffe wie Lithium oder Kobalt.
Während herkömmliche Batteriespeicher häufig für Anwendungen über wenige Stunden ausgelegt sind, zielt Ore Energy auf eine Speicherdauer von bis zu 100 Stunden. Damit soll die Technologie insbesondere dann eingesetzt werden, wenn große Mengen erneuerbarer Energie über längere Zeiträume gespeichert und später wieder ins Stromnetz eingespeist werden müssen.
„Die Energiewende braucht nicht nur mehr erneuerbare Erzeugung, sondern auch die Möglichkeit, Energie über mehrere Tage hinweg zuverlässig und wirtschaftlich zu speichern“, sagt Aytac Yilmaz, CEO von Ore Energy. „Mit unserer Eisen-Luft-Technologie wollen wir eine Speicherlösung schaffen, die skalierbar, sicher und auf Materialien basiert, die in großen Mengen verfügbar sind.“
Ore Energy hat die Technologie bereits unter realen Bedingungen erprobt. Im Rahmen eines EU-geförderten Projekts wurde am EDF-Laboratoire les Renardières in Frankreich ein netzgekoppeltes Eisen-Luft-System über mehrere Monate betrieben. Der Pilot demonstrierte eine Speicherdauer von bis zu 100 Stunden und lieferte Daten zu Lade- und Entladeverhalten sowie zur Netzintegration.
Einen weiteren wichtigen Schritt in Richtung kommerzieller Anwendung machte Ore Energy im Juni 2026 mit einer Vereinbarung mit dem niederländischen Energieversorger Budget Thuis. Gemeinsam sollen insgesamt 1 GWh Eisen-Luft-Langzeitspeicher eingesetzt werden. Die erste Phase umfasst 400 MWh und ist für 2028 vorgesehen.
Nach Angaben der Unternehmen handelt es sich um den bislang größten Abnahmevertrag für Eisen-Luft-Energiespeicher auf dem europäischen Festland. Die Speicher sollen dazu beitragen, überschüssige Wind- und Solarenergie aufzunehmen und diese Energie auch dann bereitzustellen, wenn die erneuerbare Erzeugung über längere Zeit niedrig ist.
Dadurch kann Langzeitspeicherung einen Beitrag zur Entlastung von Stromnetzen, zur besseren Integration erneuerbarer Energien und zu einer stabileren Stromversorgung leisten. Ore Energy verfolgt einen modularen Ansatz, der eine Skalierung von Megawattstunden bis hin zu Gigawattstunden ermöglichen soll. Die neue Finanzierung soll insbesondere den Ausbau der Produktion und die weitere Kommerzialisierung der Technologie unterstützen.
Das Unternehmen verfolgt dabei eine europäische Lieferkette für seine Batteriesysteme. Die Bedeutung von Langzeitspeichern nimmt mit dem wachsenden Anteil erneuerbarer Energien weiter zu. Gleichzeitig steigt der Strombedarf durch Elektrifizierung, Industrie und datenintensive Anwendungen wie künstliche Intelligenz. Ore Energy will mit seiner Technologie eine Speicherlösung für genau diese Lücke zwischen kurzfristigem Batteriespeicher und mehrtägiger Versorgung bereitstellen.
Bild: Ore Energy ist eine Ausgründung der TU Delft und hat seit 2023 einige erfolgreiche Pilotprojekte realisiert (Quelle: Ore Energy)
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