Froschzunge mit extremer Haftung
Kieler Forscher messen erstmals Haftkraft der Zunge beim Beutefang
22. Juni 2014

In Südamerika lebt eine besondere Gattung des Schmuckhornfrosches, der eine Zunge mit erstaunlicher Haftkraft besitzt. Projiziert auf die Größe eines Menschen, wäre dieser in der Lage, ein 110 Kilogramm schweres Gewicht in Bruchteilen einer Sekunde vom Boden aufzulecken. In der Natur nutzt der Frosch die superhaftende Oberfläche, um besonders große bzw. schwere Beutetiere an sich heranzuziehen. Wissenschaftler des Instituts für Spezielle Zoologie an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (CAU) konnten erstmals die dabei auftretenden Kräfte messen.
Zungenoberfläche als Superkleber
Den Fröschen wurden im Versuch Insekten vorgesetzt, die durch eine Glasscheibe geschützt waren. Instinktiv versuchten die Frösche ihre Beute zu fangen. Die Rückhaltekraft der an der Glasscheibe auftreffenden und dort anhaftenden Zunge wurde gemessen. Diese lag teilweise deutlich über dem Körpergewicht der Tiere.
„Über den Haftmechanismus von Amphibienzungen ist bisher kaum etwas bekannt“, sagt Dr. Thomas Kleinteich. „Wir gehen davon aus, dass der Schleim auf der Zungenoberfläche als eine Art Superkleber wirkt. Unklar ist noch, warum unsere Ergebnisse darauf hindeuten, dass höhere Haftkräfte auftreten, wenn nur wenig Schleim produziert wird.“ Dr. Thomas Kleinteich und Prof. Stanislav N. Gorb gehen daher davon aus, dass außer dem Schleim die Beschaffenheit der Zungenoberfläche eine entscheidende Rolle bei der Haftung der Zunge spielt. Die Untersuchungen sollen langfristig dazu führen, den Haftmechanismus der Froschzungen aufzuklären und für technische Systeme nutzbar zu machen.
Bild: Die südamerikanischen Hornfrösche sind Lauerjäger, die halb eingegraben darauf warten, dass sich ihnen Beutetiere nähern. (Foto: Dr. Thomas Kleinteich)
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