
Salvinia
Bionisches Reinigungssystem nach dem Vorbild des Schwimmfarns
2. November 2026
Ölverschmutzungen gehören zu den größten Herausforderungen für unsere Gewässer. Durch Schiffsverkehr, Unfälle oder industrielle Prozesse kann Öl ins Wasser gelangen, die Folgen für Tiere, Pflanzen und ganze Ökosysteme sind verheerend. Mit ihrem Diplomprojekt „SALVINIA“ entwickelt die Industriedesignerin Laura Neuscheler einen innovativen Ansatz, um der Wasserverschmutzung entgegenzuwirken.
Bionisches Funktionstextil auf Basis einer Wasserpflanze
Ihr Konzept zeigt, wie sich natürliche Prinzipien mithilfe moderner Gestaltung in praktische Lösungen für den Umweltschutz übertragen lassen. Im Mittelpunkt des Projekts steht ein bionisches Funktionstextil, dessen Entwicklung sich an der Wasserpflanze Salvinia molesta orientiert.
Die besondere Oberflächenstruktur der Pflanze dient als Vorbild für ein Material, das Öl gezielt aufnimmt und von Wasser trennt. Entwickelt wurde die textile Grundlage von Dr. Leonie Beek am Institut für Textiltechnik der RWTH Aachen. Das Besondere der Entwicklung ist, dass die Trennung rein physikalisch funktioniert. Es werden weder chemische Hilfsmittel noch externe Energie benötigt.
Laura Neuscheler überträgt die wissenschaftliche Innovation erstmals in ein durchdachtes Produkt- und Anwendungssystem. Dafür entstehen drei aufeinander abgestimmte Lösungen: eine Ölsperre, ein mobiler Skimmer und ein stationärer Skimmer. Gemeinsam ermöglichen sie sowohl die vorbeugende Sicherung gefährdeter Gewässerbereiche als auch die gezielte Beseitigung bereits vorhandener Ölverschmutzung.


Die Ölsperre kann eingesetzt werden, um die Ausbreitung von Öl auf der Wasseroberfläche einzudämmen. Der mobile Skimmer ermöglicht eine flexible Reinigung unterschiedlicher Einsatzorte. Ergänzt wird das System durch eine stationäre Lösung, die beispielsweise in Häfen oder anderen besonders gefährdeten Bereichen dauerhaft zum Einsatz kommen kann. Eine besondere Variante arbeitet mit einem integrierten Reservoir, in dem das aufgenommene Öl gesammelt und anschließend entnommen werden kann.
Bei dem Entwurf hat Neuscheler wesentliche Nachhaltigkeitsaspekte beachtet. So wurde das System auf eine lange Nutzungsdauer ausgelegt, ist wiederverwendbar und reparierbar. Statt ölgetränkte Einwegmaterialien entsorgen zu müssen, lässt sich das aufgenommene Öl zurückgewinnen. Dadurch werden Abfälle reduziert und wertvolle Ressourcen geschont.
Entstanden ist SALVINIA 2025 im Studiengang Industrial Design an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste Stuttgart. Das Projekt wurde unter anderem in Zusammenarbeit mit Festo SE & Co. KG und Dr. Leonie Beek vom ITA entwickelt. Laura Neuscheler wurde für den Bundespreis Ecodesign 2026 in der Nachwuchskategorie nominiert.
Bildquelle: Laura Neuscheler
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