
Motor mit Ammoniak-Antrieb
Fraunhofer Forscher stellen Entwicklungsarbeit für First Ammonia Motors vor
14. April 2026
Ein Motor, der ausschließlich mit Ammoniak betrieben wird – ohne Beimischung fossiler Energieträger: Seine Basistechnolgie für diesen Entwicklungssprung zeigt das Fraunhofer IMM auf der Hannover Messe 2026. Die erfolgreiche Umsetzung ist das Ergebnis mehrjähriger Entwicklungsarbeit für das Unternehmens First Ammonia Motors und markiert einen Meilenstein für klimafreundlichere Antriebstechnologien.
Ammoniak als kohlenstofffreier Energieträger
Am Anfang stand eine grundlegende Fragestellung: Kann Ammoniak als kohlenstofffreier Energieträger nicht nur gespeichert und transportiert, sondern auch direkt nur mit Beimischung von Wasserstoff in einem Motor genutzt werden? Während Ammoniak in der Energieforschung bereits seit Jahren diskutiert wird, galt seine Nutzung in Verbrennungssystemen lange als technisch anspruchsvoll – insbesondere aufgrund seines Zündverhaltens und potenzieller Emissionen.
First Ammonia Motors hat hierfür ein Motorkonzept entwickelt, das speziell auf die Eigenschaften von Ammoniak ausgelegt ist. Parallel dazu hat das Fraunhofer IMM seine Kompetenzen in der Entwicklung von Reaktoren mit mikrostrukturierten Kanälen und neuartigen, hochaktiven und langzeitstabilen Katalysatoren für kompakte Cracker Systeme eingebracht. Das Ergebnis ist eine hohe Systemeffizienz durch die Nutzung von Abgasen zum Beheizen der Reaktoren. Abgesehen vom Start des Fahrzeugs wird kein zusätzlicher Treibstoff oder Elektrizität benötigt.
Das Ergebnis dieser Zusammenarbeit ist ein Motor, der vollständig mit Ammoniak betrieben wird. Die erforderliche Wasserstoffbeimischung wird im Fahrzeug aus dem Ammoniak erzeugt. Am 27. Juni 2025 demonstrierte First Ammonia Motors (FAM) am Stadtrand von Charlotte, North Carolina, eines der weltweit ersten Fahrzeuge, das ausschließlich mit Ammoniak betrieben wird und über einen Ottomotor verfügt.
Im Gegensatz zu anderen Ammoniakmotoren benötigt dieser Motor keinen Zusatzkraftstoff wie Benzin, Kohlegas oder Methanol, um die Verbrennung zu beschleunigen. Stattdessen wird die Abwärme des Motors genutzt, um Ammoniak (NH3) zu spalten und so an Bord Wasserstoff als Zusatzkraftstoff zu erzeugen. Als Abgase entstehen Wasserdampf und Stickstoff.
Die Nutzung von Ammoniak eröffnet neue Perspektiven für Bereiche, in denen eine direkte Elektrifizierung nur eingeschränkt möglich ist. Dazu zählen etwa stationäre Energieversorgung, maritime Anwendungen oder der Schwerlastverkehr. Das Fraunhofer IMM adressiert diese Herausforderungen mit kompakten, hochintegrierten Systemen zur Umwandlung von Ammoniak und Methanol in Wasserstoff für mobile und stationäre Anwendungen.
Im Fokus stehen mikrostrukturierte Reaktoren und Reformersysteme, die eine effiziente, dezentrale Energieversorgung insbesondere für Nutzfahrzeuge und Off-Highway-Anwendungen ermöglichen. Durch die Kombination aus Technologieentwicklung, Pilotanlagen und industrieller Skalierung schafft das Institut die Grundlage für den breiten Einsatz alternativer Wasserstoffträger in schwer elektrifizierbaren Mobilitätssegmenten.
Bild: Im Teststand nutzt der Ammoniakmotor von Fraunhofer die Motorabwärme, um Ammoniak in Wasserstoff umzuwandeln. (Quelle: First Ammonia Motors)
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