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Kleidung aus Papier

Sun Lee entwickelt kreislauffähige Mode unter Einsatz traditioneller asiatischer Techniken

1/2020

Nach Schätzungen der Weltnaturschutzunion (IUCN) enden ungefähr 1,5 Tonnen Mikroplastik  jährlich im Meer. Rund zwei Drittel davon sind abgebrochene Fasern aus Kleidung, die sich bei jedem Waschgang lösen. Da es keine technischen Lösungen gibt, die winzigen Synthetikfasern direkt in der Waschmaschine oder in den Kläranlagen aufzufangen, gelangen die Mikroplastikpartikel über die übliche Zuleitung des aufbereiteten Wassers in Flüsse und letztendlich im Meer. Für einige Akteure der Textil- und Modebranche liegt die Lösung des Problems in der Rückbesinnung auf natürliche Materialien wie Wolle, Baumwolle, Seide oder Leinen. Große Onlinehändler markieren bereits Kleidung aus natürlichen und somit abbaubaren Fasern mit dem Hinweis "nachhaltig".

 

Mischung aus der Rinde des Maulbeerbaums und dem Saft von Hibiskuspflanzen

 

Das man auch andere Quellen aus der Natur für Textilien nutzen kann, zeigte die südkoreanische Designerin Sun Lee auf der Dutch Design Week in Eindhoven. Sie präsentierte eine sechsteilige Kollektion von Kleidung aus Papier. Die Materialwahl und vor allem die von ihr verwendeten Techniken orientieren sich stark am traditionellem Handwerk aus ihrer Heimat. Mit der Arbeit folgt sie drei Prinzipien: Vergänglichkeit, Verfügbarkeit und Nachhaltigkeit.

 

Ihre Entwürfe bestehen aus Hanji-Papier, einer Mischung aus der Rinde des Maulbeerbaums und dem Saft von Hibiskuspflanzen, sowie Ramietextilien, die aus den Fasern von Brennnesseln gewonnen werden. Hanji-Papier wird in Asien vor allem wegen seiner Widerstandsfähigkeit und isolierenden Wirkung für Schiebetürfüllungen und Türvorhänge geschätzt. Das atmungsaktive Gewebe hält im Winter die Wärme im Haus und sorgt im Sommer für Kühlung. Ramiefasern hingegen haben eine schimmernde Optik und sind besonders aufgrund ihrer strahlend weißen Erscheinung beliebt. Sie gehören zur Gruppe der Bastfasern und werden aus den inneren Fasern von Brennessselpflanzen gewonnen. Textilien aus Ramie sind wie Baumwolle oder Leinen knitteranfällig und wenig elastisch. Die Arbeiten von Sun Lee sollen als Anregung dienen, Handwerkstechniken mit Naturfasern wieder für die Modebranche interessant zu machen. Denn auch Mischgewebe aus Naturfasern und Biokunststoffen könnten zukünftig eine wichtige Rolle in der industriellen Textilproduktion spielen. 

 

Video zur Entwicklung unter: www.dezeen.com

www.studioleesun.com

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