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MabiKu

Marin abbaubare, biobasierte Kunststoffe

43/2019

Obwohl seit 1997 bekannt ist, dass Unmengen von Kunststoffabfällen in den Ozeanen schwimmen, gelangen nach Angaben wissenschaftlicher Berechnungen jedes Jahr mehrere Millionen Tonnen in die Meere. Im Jahr 2010 sollen es über 8 Mio. Tonnen gewesen sein. Das entspricht fünf Einkaufstüten pro 30 cm Küstenlinien weltweit. Kurzfristig scheint ein Ausweg aus der Misere, den Kunststoffmüll aus den Meeren zu filtern. Dazu gibt es mittlerweile viele Initiativen und Projekte. Unter dem Namen "Plastic Whale" hat in Amsterdam die erste professionelle Plastic Fishing Company der Welt ihre Arbeit begonnen und veranstaltet Bootstouren, um Kunststoffabfälle aus den Grachten zu fischen.

 

Fasermaterial für biobasierte Fischernetze

 

Ein anderer Weg, die Kunststoffmengen in den Weltmeeren zu verringern, ist der Verbot von Einwegverpackungen aus Kunststoffen bzw. die Verwendung alternativer Werkstoffe in den entsprechenden Produkten. Mittelfristig werden wir aber auf viele Kunststoffe nicht verzichten können. Deshalb haben die Leibniz Universität Hannover, die Hochschule Hannover und die Hydra Marine Sciences GmbH ein Projekt gestartet, biobasierte Kunststoffe zu entwickeln, die sich im Meer auf natürliche Weise zersetzen.

 

"Natürlich steht die Abfallreduzierung als Lösungsstrategie an erster Stelle, doch es gibt Bereiche, in denen sich Kunststoffeinträge systembedingt nicht ganz vermeiden lassen, etwa in der Fischerei und Aquakultur. Hier wären Polymere, die sich im Meer abbauen, sinnvoll", erläutert Projektleiter Prof. Hans-Josef Endres die Ziele des Vorhabens.

 

Im Projekt MabiKu konzentrieren sich die Wissenschafter vor allem auf die küstennahe deutsche Nord- und Ostsee. In einem ersten Schritt identifizieren sie Kunststoffprodukte, die dort häufig ungewollt landen. Dazu wird gemeinsam mit dem Hersteller Engel-Netze GmbH zum Beispiel ein Fasermaterial für biobasierte Netze oder ein sog. "Dolly Rope" entwickelt, eine Scheuerschutzmatte für die Grundfischerei. Diese Matten schützen das eigentliche Fangnetz, fransen durch den Bodenkontakt jedoch schnell aus oder reißen ab. Die feinen, losen Fäden aus den Matten werden vielen Tieren zum Verhängnis. Außerdem will das Forscherteam an marin abbaubaren Spritzgusskomponenten und Folien für Verpackungen arbeiten.

 

Eine besondere Herausforderung ist es, den Materialmix so zu wählen, dass die Produkte in der Gebrauchsphase ihren eigentlichen Zweck möglichst lange und gut erfüllen und erst dann zerfallen, wenn sie nicht mehr gebraucht werden. Das ist besonders bei Produkten schwer, die auch bestimmungsgemäß im Meer verwendet werden, wie Fischereinetzen. "Hier können zum Beispiel Beschichtungen, die ihre schützende Funktion erst nach längerem Wasser- oder Bodenkontakt aufgeben, ein möglicher technischer Ansatz sein", erklärt Endres. Das Vorhaben wird vom Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) über den Projektträger Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe e. V. (FNR) gefördert.

 

www.ifbb-hannover.de

www.plasticwhale.com

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