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Die Stadt als Energiebündel

Windkraftanlagen für urbane Räume

60/2016

Früher wurden Windräder genutzt, um große Lasten und Personen per Schiff zu bewegen oder gar Pumpen sowie großes Mahlwerk anzutreiben. Heute gilt die Windenergie als eine der ältesten vom Menschen genutzten Energieformen. Ende des 19. Jahrhunderts starteten die ersten Versuche, Windenergie in elektrische Energie zu wandeln. Der amerikanische Wissenschaftler Charles Francis Brush benutzte bereits 1887/88 eine selbstgebaute Windkraftanlage, um Strom für seine Kohlebogenlampen zu generieren. In Deutschland wurden Windkraftanlagen ab den 1920er Jahren auf Basis der wissenschaftlichen Berechnungen des Physikers Albert Betz zu einer ernstzunehmenden Technik. Am Design hat sich jedoch seitdem wenig geändert. Große Rotorblätter angebracht auf hohen Masten säumen die Felder in der Nähe von Bahnstrecken und Autobahnen. Im Zuge der Energiewende wird sich dies nun ändern.

 

Vibration vorbeifahrender Straßenbahnen in Energie zurückführen

 

In den letzten Jahren können wir ein gesteigertes Interesse an urbanen Strukturen und deren ungenutzte Energiequellen erkennen. Windteppiche wie etwa Moya der südafrikanischen Designerin Charlotte Slingsby oder stromerzeugende Fußböden von Pavegen aus London verstehen sich als additive Systeme zur Stromerzeugung auf Basis piezoelektrischer Eigenschaften. 

 

New Wind Tree

 

Einen anderen Ansatz verfolgt das französische Unternehmen New Wind. Das Startup versucht, durch ein verändertes Design die klassischen Windräder auch in die Stadt zu bringen. Die Idee: Viele kleine Windturbinen, angebracht an einer baumähnlichen Struktur, sollen auch bei schwachem Wind noch Strom generieren. Die grünen Mini-Turbinen der sogenannten "WindTrees" erinnern in Farbe und Form an natürliches Blattwerk und sollen sich so in das Stadtbild einfügen. In Frankreich sind bereits über 40 dieser Bäume aufgestellt. Einer der ersten wurde am Place de la Concorde in Paris installiert.


Während man bei der Nutzung schwacher Luftströmungen bereits weit gekommen ist, befinden sich Ansätze zur Umwandlung leichter Schwingungen in Energie noch im Forschungsstadium. So arbeiten Wissenschaftler der Ohio State University derzeit an einer Lösung, um die Bewegungsenergie von Vibrationen jeglicher Art in Form von Energie zurückzugewinnen. Sie orientieren sich in ihren Ansätzen zwar auch an einer baumähnlichen Struktur, jedoch steht vielmehr die Wachstumslogik von Bäumen im Vordergrund. Das Forscherteam hat berechnet, dass die natürliche Anordnung der Äste die Energieeffizienz von zufälligen Kräften wie Wind oder seismischen Aktivitäten wie z.B. die Vibration hervorgerufen durch vorbeifahrende Straßenbahnen auf ein Maximum potenziert. Die Stadt und ihre Nutzer werden als Energiebündel verstanden.

 

www.newwind.fr

www.osu.edu

 

 

Bilderquelle: New Wind

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